ALLEGORIE


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LUDWIG VON SCHWANTHALER (1802 - 1848): BAVARIA (1837 - 48) 

Bronze, Höhe: 18 m, Sockel: 8,92 m
München, Theresienwiese

 



 

Der Münchener Bildhauer Ludwig von Schwanthaler (1802-1848) stammte aus einer angesehenen bayerischen Bildhauerfamilie, studierte an der Münchener Akademie und übernahm nach dem Tode seines Vaters dessen Werkstatt für Grabmals- und Bauplastik. Durch einige Arbeiten sicherte er sich die Gunst König Ludwigs I., der ihm ein Stipendium gewährte. So kam er 1826 nach Rom, wo er als Schüler von Bertel Thorvaldsen arbeitete. Nach einem zweiten Romaufenthalt 1832-1834 entwickelte er in München eine rege Tätigkeit. Er schuf u. a. den plastischen Schmuck für die -> Attika der Alten Pinakothek und für die Fassade der Ludwigskirche, für die Walhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle bei Kelheim. Schwanthalers Hauptwerk ist die Bavaria, „die erste Kolossalplastik der Neuzeit" (M. Fischer). Sie ist einbezogen in die Gesamtanlage der Ruhmeshalle, eine auf hohem Sockel stehende dorische Säulenhalle mit U-förmigem Grundriß (Architekt: Leo von Klenze). Schwanthaler erhielt den Auftrag für die Bronzestatue 1837; am Originalmodell arbeitete er von 1840-1844. Gegossen wurde in der königlichen Gießerei in München, die der Gießermeister Ferdinand von Miller leitete.

 

Klenze hatte seiner klassizistischen Architektur [der Ruhmeshalle] entsprechend eine antikisierende Bavaria [...] vorgesehen [...]. Schwanthaler wandelte dieses Konzept nach romantischen Vorstellungen durch eine .germanische' Gewandung entscheidend ab. Es blieb zwar ein klassizistisches Grundmuster mit kontrapostischem Aufbau und langem zeitlos-antikischem Untergewand erhalten, alle Attribute sollten jedoch auf typisch Deutsches hinweisen. Das über dem hemdartigen Kleid gegürtete Bärenfell und die Eichenkränze auf dem Haupt der Bavaria wie in ihrer hoch erhobenen linken Hand stellen nach Auffassung der Romantiker germanische Symbole für Erhabenes, Heiliges. Stärke und Hoheitsvolles dar. Allgemeine Symbole waren dagegen das Schwert. Zeichen für Macht und Wehrhaftigkeit, und der Löwe, der in Länder-Allegorien häufig für Kraft und Stärke stand, aber sich erst im 19. Jahrhundert als heraldisches Zeichen für Bayern durchsetzte.

(Ute Hünigen: Ludwig M. von Schwanthaler, Bavaria. Aus: Nerdinger, W.: Vom Klassizismus zum Impressionismus. München: Lurz 1980, S. 89)

   


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