LITURGISCHE FARBENSYMBOLIK

 

Liturgische Farben der römisch-katholischen wie der protestantischen Kirche dienen dazu, den Charakter der verschiedenen Zeiten und Feste zu verdeutlichen. Das Kirchenjahr soll dabei symbolisch versinnbildlicht werden. Die Verwendung der Farben betrifft die im Gottesdienst gebräuchlichen Gewänder. Sie ist nicht immer allgemeinverbindlich geregelt, knüpft oft an spätmittelalterliche Brauchtümer an und ist lokal unterschiedlich.

Literatur:

K. Goldhammer, «Farbe, liturgisch», in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, herausgegeben vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, Band VII, München 1981.

 

Zur Liturgie gehört in den christlichen Kirchen ein ganzer Komplex von Zeremonien, Texten, Worten, Zeiteinteilungen, Paramenten (liturgische Bekleidung und für Altar, Kanzel und liturgisches Geräte verwendetes Tuch) und Farben, welcher dem jährlichen Ablauf des religiösen Lebens des Klerus und der Gläubigen Form und Inhalt gibt. Durch die Rhythmisierung und Heiligung der Zeit beabsichtigt die Kirche eine Annäherung des Lebens des einzelnen Gläubigen an das ewige Leben. Das liturgische Jahr folgt dem Drama der Inkarnation, der Geschichte Christi auf Erden, von Advent bis Pfingsten. Hierin verbindet sie die Feste Christi mit den Festen der Heiligen, welche im katholischen Zyklus in den großen liturgischen Kalender Christi eingefügt sind. Die Hauptfeste des religiösen Jahres sind: Weihnachten, Ostern, Auffahrt, Pfingsten und Allerheiligen.

Der im Mittelalter entstandenen Zeitzuordnungen gemäß gelten folgende Zeiten als heilig: die vier Jahreszeiten; die Monate, von welchen jeder einer Person aus dem Leben Christi, einem seiner Körperteile oder dem Gedächtnis der Verstorbenen gewidmet ist; die Wochentage (der Sonntag ist ein besonderer, Gott geweihter Tag, während alle anderen Tage einer bestimmten Andacht gewidmet sind) und die Stunden mit der Rezitation des Breviers oder dem Besuch des Gottesdienstes.

Zur Geschichte der Farben in der Liturgie muß angemerkt werden, daß die Urkirche zunächst ein «reines Weiß» bevorzugte. Erst Papst Innozenz III. legte um 1200 eine Farbenordnung vor, die rund 300 Jahre später unter Pius V. verbindlicher wurde. In der katholischen Kirche sind das Meßhemd, die lange Tunika und die Kordel, welche das Hemd zusammenhält, immer aus weißem Leinen gefertigt. Die Planeta (Mantel mit Kopföffnung, unter den Armen geschlitzt), die Manipel (am linken Arm getragene Binde) und die Stola sind aus demselben Stoff gefertigt und in diversen Farben gehalten: Weiß, Rot, Grün, Violett, Schwarz, Rosa oder Gold. Folgende Bedeutungen werden zugeordnet:

  • Weiß ist die Farbe der Reinheit und Unschuld, sie tritt auf anläßlich der Feste des Herrn, der heiligen Jungfrau Maria, der Engel und jener Heiligen, die keine Märtyrer sind.

  • Rot symbolisiert Feuer und Blut und ist die Farbe des Märtyrertums, des heiligen Geistes, des Kreuzes und der Apostel. Die Farbe Rot trifft man über das ganze Jahr verteilt an, sie markiert einzelne Feste, ist aber nie über einen längeren Zeitraum vertreten.

  • Grün steht für das Leben. Es ist an unbedeutenderen Sonntagen, nach Dreikönige und nach Ostern präsent.

  • Violett ist Symbol der Reue und Buße. Violett wird an den Sonn- und Wochentagen der Adventszeit, während der Bußzeit vor Ostern, an den Fastentagen zu Beginn der vier Jahreszeiten, vor einem Fest und zu den Bittgängen getragen.

  • Schwarz ist die Farbe der Trauer, sie tritt am Karfreitag, an Allerseelen und an den Totenmessen in Erscheinung.

  • Rosa kennzeichnet die Pausen der Freude während den Buß- und Fastenzeiten.

  • Gold ist an Feiertagen erlaubt und kann Weiß, Rot und Grün ersetzen, nie aber Schwarz.

Auf dem äußeren Kranz der großen Darstellung sind die in der katholischen Kirche verwendeten Farben verdeutlicht und im Rund die wichtigsten Feste des religiösen Kalenders angegeben. Der innere Kreis generalisiert diese differenzierte Darstellung und zeigt die vorherrschende Farbe der jeweiligen Periode: Der Advent als Zeit der Buße und Erwartung ist in der dunkeln Farbe Violett gehalten. An Weihnachten selbst tritt Weiß in den Vordergrund, die Farbe der Engel. (Die drei Weihnachtsmessen werden durch Farbreihen charakterisiert, die so aufgebaut sind, dass sie von den dunklen und trüben zu den strahlenden Farben des Lichtes führen, also zum Beispiel entlang der Reihe Violett-Rot-Weiß.) Während zu Dreikönige Weiß, Rot oder Gold den Glanz des Sternes versinnbildlicht, der die Könige führte, herrscht nachfolgend das neutrale Grün vor. Für die Zeit zwischen Septuagesima und Ostern dominiert wieder die Buß- und Fastenfarbe Violett. Das Osterfest ist vor allem in Weiß gehalten, während Grün die restliche Zeit des Jahres prägt, bis der Kreislauf von Neuem beginnt.

Das Direktorium, in welchem die Vorschriften für die Farbgebung festgehalten sind, wählt die Farben nicht durchgehend aus symbolischen Gründen, sondern stellt diese oft eher willkürlich zusammen oder gibt auch mehrere Farben zur Auswahl.

Der innere Kranz folgt demselben System wie der äußere, wobei er die Farben der liturgischen Perioden im Kalender der reformierten Kirchen verdeutlicht. (Es handelt sich hier beispielhaft um eine spezielle mailändisch-protestantische Gemeinde, es existieren also sicherlich Unterschiede in der Farbordnung gegenüber lutheranischen, calvinistischen oder zwinglianischen Vorstellungen.) Ganz allgemein ist in der Liturgie der diversen protestantischen oder reformierten Kirchen der Gebrauch der Farben sehr viel sparsamer wie in der katholischen, tendentiell sogar inexistent. Nach den Reformen im 19.Jahrhundert verständigte man sich zwar darauf, die alte Ordnung der liturgischen Farben weiter zu verwenden, empfahl allerdings größte Sparsamkeit, sowie auf «schwülstige und exaltierte» Farben gänzlich zu verzichten. Weiß behält seinen symbolischen Wert und gesellt sich zu Schwarz. Ursprünglich trugen Geistliche und Kirchenbesucher diese beiden Farben, sie wurden jedoch nicht aber für den Schmuck des Gotteshauses verwendet. Weiß wird in den Gottesdiensten auch als Farbe der Trauer eingesetzt, was den engen Bezug zwischen Tod und Wiedergeburt verdeutlicht.

 

 


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