I QUATTRO LIBRI DELL'ARCHITETTURA

Über die Methode, an die sich die Alten bei der Errichtung der steinernen Gebäude hielten

 

DA ES gelegentlich vorkommt, daß das ganze Gebäude oder ein großer Teil davon aus Marmor oder aus großen Stücken einer anderen Steinart errichtet wird, scheint es mir angebracht, an dieser Stelle auszuführen, wie es die Alten in solch einem Fall bewerkstelligt haben. Sieht man doch an ihren Werken, dass sie bei dem Zusammenfügen der Steine eine solch große Sorgfalt aufwandten, daß man vielerorts die Fugen nicht unterscheiden kann. Dieses muß der sehr beachten, der sich außer Schönheit auch Festigkeit und Dauerhaftigkeit eines Gebäudes wünscht. So viel wie ich begreifen konnte, bearbeiteten und brachten die Alten zunächst nur jene Seite der Steine ins Geviert, wo einer auf den anderen gesetzt wird, und ließen die anderen Teile unbearbeitet. So bearbeitet, fügten sie sie in das Werk ein. Weil damit alle Ränder der Steine über dem Geviert zu liegen kommen, sind sie dort dick und stark. Man konnte sie so besser handhaben und sie mehrere Male bewegen, bis sie sich gut zusammenfügten; und dies ohne Gefahr des Zerbrechens, wie sie besteht, wenn man alle Seiten bearbeitet, da dann alle Ränder auf oder unter dem rechten Winkel zu liegen gekommen und zugleich sehr schwach und leicht zerbrechlich geworden wären. Auf diese Weise wurden alle Gebäude zunächst roh, man kann auch sagen rustiziert, gemacht. Und erst dann wurden sie durch Weiterbearbeiten und Glätten der Stirnseiten jener Steine vollendet, die, wie ich schon sagte, bereits in das Bauwerk eingesetzt waren. Es ist wahr, daß die Rosen, die zwischen die Kragsteine gesetzt wurden, und andere Schnitzarbeit am Gesims nicht so leicht angefertigt werden konnten, wenn die Steine schon eingesetzt waren, als wenn man sie auf der Erde herstellte. Davon zeugen verschiedene alte Gebäude, an denen viele Steine zu sehen sind, die nicht abschließend bearbeitet und geglättet sind. Der Triumphbogen beim Castel Vecchio zu Verona und all die anderen Bögen und Gebäude dort sind in der beschriebenen Weise gemacht worden. Dies ist gut zu erkennen, wenn man auf die Hammerschläge achtet, mit denen die Steine dort bearbeitet wurden. Die Trajanssäule in Rom und die des Antonius sind in ähnlicher Weise gemacht. Man hätte sonst die Steine nicht so sorgfältig zusammenfügen können, daß die Fugen, die quer über die Köpfe und die anderen Teile der Figuren hinweglaufen, so gut zusammenstoßen. Dasselbe sage ich von den Triumphbögen, die man dort sehen kann. Und bei einigen großen Gebäuden wie der Arena von Verona, dem Amphitheater von Pola oder dergleichen gingen sie, um Ausgaben und Zeit zu sparen, daran, nur die Kämpfer der Gewölbe, die Kapitelle, die Gesimse auszuarbeiten und ließen den Rest roh stehen, da sie nur auf die schöne Form des Baues achteten. Aber bei den Tempeln und den anderen Gebäuden, die Erlesenheit ausstrahlen, sparten sie keine Mühen, alles auszuarbeiten und zu glätten, alles bis in die Kehlen der Säulen hinein glänzend zu machen und sorgsam zu polieren.

Dennoch sollten meiner Meinung nach Mauern aus gebrannten Ziegeln nicht grob gemacht werden wie auch keine Rauchfänge der Kamine; denn sie sollten sehr sorgfältig gemauert sein, da sich andernfalls daraus der Fehler ergibt, daß das, was natürlicherweise ganz sein soll, in mehrere Teile zerfällt. Aber entsprechend der Größe und Eigenart des Gebäudes soll dieses entweder grob oder fein bearbeitet sein. Was die Alten aus notwendiger Rücksichtnahme auf die Größe der Bauwerke und vernünftig taten, sollten wir bei einem Gebäude, das vor allem eine gute Ausarbeitung erfordert, nicht tun.