I QUATTRO LIBRI DELL'ARCHITETTURA

Über die Schwellung und die Verjüngung der Säulen, Interkolumnien und Pilaster

 

 

DIE SÄULEN einer jeden Ordnung sollen so geformt sein, daß der obere Teil dünner sei, und in der Mitte soll sie eine leichte Schwellung haben. Bei der Verjüngung ist zu beachten, daß sie um so geringer ist, je länger die Säule ist, da aus der Distanz betrachtet die Höhe von selbst den Effekt der Verjüngung bewirkt. Wenn die Säule also fünfzehn Fuß hoch ist, so wird der untere Durchmesser in sechs und einen halben Teil geteilt, und von fünf und einem halben Teil wird dann der obere Durchmesser gemacht. Wenn die Säule fünfzehn bis zwanzig Fuß hoch ist, so wird der untere Durchmesser in sieben Teile geteilt, und sechs und ein halber Teil machen dann die Größe des oberen Durchmessers aus. In gleicher Weise wird bei den Säulen von einer Länge von zwanzig bis dreißig Fuß der untere Durchmesser in acht Teile geteilt, von denen sieben den oberen Durchmesser bilden. Und jene Säulen, die noch höher sind, werden um einen entsprechenden Teil so verjüngt, wie es Vitruv in dem zweiten Kapitel des dritten Buches anzeigt. Wie aber die Schwellung in der Mitte gemacht werden soll, davon hat Vitruv uns nur etwas zu schreiben versprochen. Dies ist auch der Grund, daß hierüber verschiedene Autoren Verschiedenes gesagt haben.

Das Maß für die gesamte Schwellung, das ich in Gebrauch habe, ist von der Art: Ich teile den Stamm der Säule in drei gleiche Teile und lasse den dritten, unteren Teil ganz lotrecht. Ganz außen an diesem Teil lege ich ein schmales Kantel, das so lang ist wie die Säule oder noch ein wenig mehr. Dann bewege ich jenen Teil, der über das untere Drittel hinausgeht, und krümme ihn so weit, bis sein Ende sich mit jenem Punkt der Verjüngung vereinigt, der über der Säule unter dem Hals liegt. Gemäß dieser Krümmung zeichne ich dann. So erscheint mir die Säule in der Mitte etwas angeschwollen und sehr gefällig verjüngt [8]. Und obwohl ich mir keine andere kürzere und hilfreichere Methode als diese, mit der es am besten gelingt, habe vorstellen können, so bin ich in dieser meiner Erfindung nicht wenig bestärkt worden, nachdem sie Pietro Cataneo, dem ich sie mitgeteilt habe, so gut gefiel, daß er sie in eines seiner Werke über die Baukunst aufnahm, mit dem er den Beruf des Architekten gewinnbringend erläutert hat.

Die Interkolumnien, das sind die Räume zwischen den Säulen, können anderthalb Durchmesser der Säule breit gemacht werden, wenn man den Durchmesser vom untersten Teil der Säule nimmt. Man kann auch zwei, zwei und ein Viertel, drei oder noch mehr Durchmesser nehmen. Aber die Alten gebrauchten nicht mehr als drei Säulendurchmesser, außer bei der toskanischen Ordnung, bei der sie den Architrav gewöhnlich aus Holz machten. Bei ihr machten sie die Interkolumnien viel größer und nicht geringer als anderthalb Durchmesser. Diese großen Zwischenräume gebrauchten sie vor allem dann, wenn sie die Säulen sehr groß machten. Aber jene Säulenweiten, die zwei und ein Viertel Durchmesser besaßen, billigten sie mehr als andere. Und diese nannten sie die schöne und feine Art der Interkolumnien.

Auch ist zu bedenken, daß zwischen den Interkolumnien oder Säulenweiten und den Säulen eine Proportion und Korrespondenz bestehen muß; denn wenn man in die großen Säulenweiten dünne Säulen setzt, so werden sie deshalb den größten Teil ihrer Anmut verlieren, weil sie durch die viele Luft, die in der Leere zwischen ihnen ist, eines großen Teils ihrer Breite verlustig gehen. Hingegen, wenn in engen Zwischenweiten dicke Säulen gebraucht werden, so wird dies durch die Schmalheit und Enge der Räume ein plumpes Aussehen ohne Anmut zur Folge haben. Darum sollen die Säulen, wenn die Zwischenweiten drei Durchmesser übersteigen, um den siebten Teil ihrer Höhe dicker gemacht werden, wie ich dies bei der weiter unten abzuhandelnden toskanischen Ordnung beachtet habe. Wenn die Säulenweiten aber drei Durchmesser groß sind, dann sollten die Säulen sieben und einen halben oder acht Durchmesser hoch sein, wie in der ionischen Ordnung. Und beträgt der Abstand zweieinviertel Durchmesser, so macht man die Säulen neun Durchmesser hoch wie bei der lonika, und bei einer Weite von zwei Durchmessern neuneinhalb wie bei der Korinthia. Schließlich werden die Säulen bei einer Weite von anderthalb Durchmessern zehn Durchmesser hoch wie bei der Komposita. Ich habe dies bei den genannten Ordnungen beachtet, damit sie ein Beispiel für die verschiedenen Arten der Säulenweiten darstellen, was Vitruv in dem oben genannten Kapitel gelehrt hat.

An der Fassade eines Gebäudes sollen die Säulen in gerader Anzahl vorhanden sein, damit sich in der Mitte ein Interkolumnium befindet. Dies sollte einwenig größer als die anderen gemacht werden, damit man um so besser die Türen und Eingänge sieht, die man gewöhnlich in die Gebäudemitte legen soll. So viel zur einfachen Kolonnade.

Aber wenn man die Loggien aus Pilastern macht, dann sollten diese so angeordnet werden, daß sie nicht dünner als ein Drittel des Abstandes von Pilaster zu Pilaster sind. Und die Pilaster, die an den Ecken zu stehen kommen, sollten um zwei Drittel dicker sein, damit die Gebäudeecken fest und stark werden. Und wenn sie eine sehr große Last zu tragen haben, wie bei den großen Gebäuden, so sollte man sie so groß wie die Hälfte des Pilasterabstandes machen, so wie im Theater zu Vicenza und im Amphitheater zu Capua, oder so groß wie zwei Drittel des Abstandes, wie bei denen des Marcellustheaters in Rom oder bei denen des Theaters in Ogubio, das jetzt Lodovico de' Gabrielli, einem Edelmann dieser Stadt, gehört. Gelegentlich machten die Alten Säulen, die so groß wie der ganze Säulenabstand waren, wie bei dem Teil des Theaters in Verona, der nicht auf dem Berg liegt. Aber bei den Privatgebäuden sollte der Abstand der Pilaster nicht geringer als ein Drittel und nicht größer als zwei Drittel sein. Die Stützen sollten ebenfalls quadratisch sein. Aber um Kosten zu sparen und um den Platz zum Vorbeigehen zu verbreitern, sollten sie an den Seiten weniger groß als jene gemacht werden, die an der vorderen Fassade stehen. Und um die Fassade zu schmücken, sollten in die Mitte der Front halbe Säulen oder andere Pilaster gesetzt werden, die das Gebälk tragen, das über den Bögen der Loggien verläuft. Man macht diese Stützen so dick, wie es ihrer Höhe entspricht und wie man es in den folgenden Kapiteln und Zeichnungen sehen wird.

Zu deren Verständnis sollte man wissen - damit ich dieselbe Sache nicht noch einmal wiederholen muß -, daß ich zur Einteilung und Messung der genannten Säulenordnungen kein bestimmtes und festgesetztes Maß, etwa ein spezielles einer Stadt, wie Elle, Fuß oder Spanne, genommen habe, da ich weiß, daß die Maße so verschieden wie die Städte oder Länder sind. Aber ich bin Vitruv nachgefolgt, der die dorische Ordnung nach einem Maß einteilt, das er, wie allgemein bekannt, dem Säulendurchmesser der Säulendicke entnommen hat und das von ihm Modul genannt wird. Darum soll auch mir dieses Maß für alle Säulenordnungen dienen. Dieser Modul oder untere Durchmesser der Säule wird in sechzig Minuten geteilt, außer bei der Dorika, bei der der Modul aus dem halben Säulendurchmesser entsteht und in dreißig Minuten geteilt ist, da dies so besser zu den Teilen der genannten Ordnung paßt. Daher kann sich ein jeder, indem er der jeweiligen Eigenart des Gebäudes entsprechend den Modul größer oder kleiner macht, der Proportionen und Zeichnungen bedienen, die zu jeder Säulenordnung gehören.