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Kochbücher nerven. Viele zumindest... Und die Showköche auf der Mattscheibe auch. Besonders wenn sie Gallionsfiguren des guten Geschmacks sein wollen und dann Convenience Food bewerben. Vorbildverbraucher? Igitt! So unverblümte Raffgier hat schon ein "Gschmäggle", finde ich. Wein predigen, und Wasser servieren?

 

Aber wie also finde ich einen anderen, individuellen Weg zum kulinarischen Ziel?

 

Nun gehöre ich nicht unbedingt zu der Sorte Zeitgenossen, die mit einem Laptop zur Degustation aufbrechen oder mit einem Smartphone vor der Auslage eines Lebensmittelhändlers stehen. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit gilt den Objekten der Begierde. Ich lasse mir nichts einpacken, nur weil es auf meinem Zettel steht! Ein Produkt muss mich  anlächeln, Genuss versprechen, mich inspirieren...

 

Vielleicht wächst ja vor Ort aus der Erfahrung und Intuition heraus eine - zunächst noch etwas unklare - Vorstellung von einem Miteinander der gebotenen Zutaten? Und vielleicht finde ich sogar die überraschend stimmige Begleitung oder das belebende Gegenüber? Kurzum: Ich lasse mich beim Einkaufen oft auch von spontanen Entscheidungen leiten.

 

Suchen? Ich bekomme Adrenalinschübe gewaltigen Ausmaßes, wenn in Rezepten modische Zutaten verlangt werden, die unbedingt vonnöten sind und die man zwei Wochen im voraus per Internet bestellen muss. Aber nur zur Monsunzeit!

 

Mir ist natürlich klar, dass ein vernünftiger Familieneinkauf so nicht funktioniert! Habe da durchaus praktische Erfahrungen gesammelt. Aber auch unter solch pragmatischen Bedingungen gab es immer einen gewissen Spielraum für kreative Einfälle...

 

Es bleiben immer Zutaten übrig. Vielleicht liegt es an der Unsicherheit, welche Geschmackskombination denn nun die ansprechendere ist, vielleicht liegt es auch nur an der Konfektionierung der Zutat. Aber das sind keine Reste, sondern Herausforderungen für spontane Menschen! Der Umgang mit der Beschränkung und dem Einfachen zeigt den wahren Meister! Selbstgefällige Blender gibt es wie Salz im Meer (Sollte jedem Praktiker spätestens beim Schreiben des Einkaufszettels und der Routenplanung für die Beschaffung der Zutaten auffallen). Mir liegt da eher die Bescheidenheit.

 

Weniger ist auch in der Küche oft mehr. Feudaler Prunk und neureicher Protz mögen ein sicher zahlreiches Publikum zumindest vordergründig zufrieden stellen. Moden und Effekte bestimmen ja schon länger unsere Ernährung. Wohl mehr als kulinarische oder gesundheitliche Aspekte das in der Breite vermögen werden können.

 

Bevor man also falschen Propheten nachkocht sollte man sich zunächst mit den einzelnen Lebensmitteln selbst anfreunden und die Möglichkeiten der Zubereitung erkunden. Beginnt man dabei mit Grundnahrungsmitteln verzettelt man sich nicht und gewinnt ein Gespür für Qualität und Besonderheit leicht verfügbarer Produkte. Wenn möglich bevorzuge ich Erzeuger aus der näheren Umgebung.

 

Und einen anderen Blick auf Nahrung gewinnt man so vielleicht auch. Wer schmeißt schon den Rest der Kuh weg, nur weil im Rezept lediglich das Filet gewünscht wird? Welche Mengen vom Grünen des Lauchs aber landet im Müll, nur weil gebetsmühlenartig immer das Weiße verlangt wird. Besser sowohl / als auch statt entweder / oder. Und etwas mehr Respekt vor den Lebensmitteln wäre aus ganz unterschiedlichen Gründen sehr angebracht.

 

Hat man eine gewisse Souveränität erreicht kann man sich auf die Suche nach Kombinationen von Zutaten machen, die im Idealfall zusammen mehr sind als nur die Summe ihrer Bestandteile! Sicher spielen persönliche Vorlieben eine wichtige Rolle, aber es gibt auch erprobte Klassiker mit zum Teil weltweitem Erfolg. Dazu wird vermutlich nicht die Verbindung von Aal und fettem Schweinebauch gehören, die aber in manchen Regionen Chinas für glänzende Augen (und Lippen) sorgt.

 

Diese Zweiklänge sind es vor allem, die mich hier interessieren. Natürlich ist der Schritt zu einem Dreiklang, wie ihn schon die sehr differenzierte chinesische Kochkunst oft im Blick hat, nicht groß. Aber damit stoßen wir ein Tor auf, das den Rahmen einer solchen Sammlung sprengen würde.

 

Nicht nur das Schmecken und Riechen, sondern auch das Sehen sind an der Entstehung eines Geschmackseindrucks beteiligt. Deshalb sollen Bilder und Farben den Speichelfluss ebenso anregen wie amüsante und vertiefende Texte und Rezepte. Erwarten Sie auf dieser Seite also kein übliches "Man nehme...", sondern eher einen überraschenden Impuls, der zu einem kreativen und experimentierfreudigen Kochen verführt.

 

Und wie in der Kunst gilt auch hier: So viel wie nötig und so wenig wie möglich!

 

 

Gutes Gelingen!

 

Peter Eckardt