So verspottet der amerikanische Stanfordprofessor Lawrence Lessig das neue internationale Urheberrecht, als sich 1996 die World Intellectual Property Organization auf den WIPO Copyright Treaty einigte, das auch dem neuen EU-Urheberrecht als Vorlage diente.
Im Rausch des Goldes raffen und drohen Verwerter jeder Couleur harmlosen Jugendlichen, Künstlern oder Bildungsinstitutionen. “Wer heute ohne Erlaubnis ein Musikstück in seinen Hobby- Podcast schneidet, begeht genauso eine Urheberrechtsverletzung wie der Sportverein, der ohne Zustimmung des Verlags einen Spielbericht aus einer Zeitung auf seine Homepage stellt. Und kriminalisiert werden auch jugendliche Musikfans, die Texte ihrer Lieblings-Popsongs auf ihre Website stellen oder Filmemacher, die etwa in einem öffentlichen Aufzug drehen, wenn im Hintergrund die sprichwörtliche Fahrstuhlmusik dudelt!” (www.arte.tv).
Mir selbst wurde kürzlich eine Klage angedroht, da ich auf meiner Non-Profit-Seite www.kunstzitate.de einige Zitate von Joseph Beuys anführte. Damit waren die Rechteverwerter natürlich nicht einverstanden, und so bekam ich Post von der VG Bildkunst. Ultimative Post!
Meine Antwort:
“Sehr geehrte Frau XXX,
in Ihrem Schreiben vom 22. März fordern Sie mich mit Nachdruck auf Zitate von Joseph Beuys von meiner Webseite zu entfernen. Ihnen wird sicher aufgefallen sein, dass diese Seite von mir als Kunsterzieher ohne kommerzielles Verwertungsinteresse betrieben wird. Zudem ist mir nicht bekannt, dass man Künstler nicht mehr zitieren darf. (Da war ich wohl sehr naiv!)
Im Zusammenhang mit dem Zentralabitur Kunst in Niedersachsen wird auch die Behandlung des Werks von Joseph Beuys verlangt. Nach Ihrem Schreiben gehen ich davon aus, dass auch dieses Unterfangen dem Verwertungsinteresse Ihrer Klienten widerspricht. Ich werde mich dementsprechend an das Kultusministerium in Hannover wenden und mich auf der Grundlage Ihres Schreibens weigern den genannten Künstler überhaupt noch einmal im Unterricht zu besprechen.
Sollte Kunst von Herrn Beuys auch weiterhin mit Steuermitteln für öffentliche Sammlungen angekauft werden muss ich meine Position unter solchen Umständen wohl überdenken. So entsteht eine Schieflage, die ich nicht mehr akzeptieren kann. Besonders, da die damit verbundenen finanziellen Ertragssteigerungen, bedingt durch solche Popularisierung, hier nicht dem Künstler selbst zugute kommen sollen, sondern den offensichtlich sehr einseitig motivierten Besitzern der Verwertungsrechte. Wundern Sie sich also nicht, wenn sich ein zunehmend kunstfeindliches Klima entwickelt.
Ab sofort denke ich ganz sicher anders über öffentliche Ankäufe von Kunst nach.
Mit verwundertem Gruß…”
Man kann sich vorstellen, dass meine Verärgerung auf breites Verständnis gestoßen ist…
“Die von Lessig 2001 gegründete Initiative “Creative Commons” verfolgt daher einen ganz anderen Weg: „CC“ („Creative Commons“) statt © – ein individuell gestaltetes Urheberrecht, um mit der Weltöffentlichkeit nach eigenem Belieben teilen zu können.” (www.arte.tv). Wikipedia und ähnliche Projekte sorgen inzwischen für eine weltweite Verbreitung dieser Idee.
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Lawrence Lessig: Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität
Aus dem Englischen übersetzt von Annegret Claushues und Hartmut Pilch
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